Mischa Marin im Einsatz mit "Beziehungsweise Gerechtigkeit" in einer Schule in Siegen.

Essen, 30. November 2017 – Schon seit einiger Zeit hat sich Musiker Mischa Marin dem Referentennetzwerk Wunderwerkes angeschlossen. Die Vorstellung seiner Person verzögerte sich seitdem aus verschiedensten Gründen. Nun können wir ihn endlich präsentieren, mit vier Fragen und vier Antworten.

 

Mischa, der eine oder andere kann deinen Namen der Band „Allee der Kosmonauten“, der evangelistischen Kampagne „JesusHouse“ oder auch dem Projekt „Zeichen der Zeit“ zuordnen. In letzter Zeit hat man dich in der Öffentlichkeit deine eigenen Lieder singen hörenMicha Deutschland unterstützen und dich mitDie Stimme erheben performen sehen. Nun hast du dich als freier Mitarbeiter Wunderwerke angeschlossen – bekommst du deinen vielschichtigen beruflichen und künstlerischen Werdegang der letzten 15 Jahre unter einen Hut?

Nein. Nicht mit einem Satz. Und, ja, mit vielen: Ich bin als Kind einer Einwandererfamilie aus dem damals sozialistischen Jugoslawien erst mit zwölf Jahren auf eigenen Wunsch getauft worden. Ich wollte einfach mit zur Konfifreizeit ... Dort lernte ich Thomas kennen, der Gitarre spielte. Wir gründeten unsere erste Band und ich schrieb meine ersten deutschen Texte. Dann kamen das Mofa, Diskobesuche, der Wunsch, das Leben zu begreifen und nichts zu verpassen. Ein Studium der Literaturwissenschaften, komisches Bauchgefühl zwischen zehntausend Herzen in verhallten Unifluren. Der Anschluss an eine Musicalgruppe, bei der ich die fleischfressende Pflanze gab, der Rausschmiss aus der Schauspielschule wegen Regelverstoß. Erste Plattenverträge mit eigenen Bands, auf einer Tour im Vorprogramm von Nena stürzte ich nach einer von vielen Aftershow Parties in meinem Hotelzimmer in eine tiefe Krise und klimperte einen Song, der - das wußte ich damals nicht - ein Gebet war. Und Gott kam neu in mein Leben. Von da an änderten sich die Texte. Das Überwältigsein von der Erfahrung, dass Gott einen guten Plan sogar mit meinem so fragmentarischen Leben hat. Dann das Ringen um Authentizität, später der Wunsch, in unsere Kirche hinein zu sprechen, oder auch säkulare und fromme Diskurse zu verbinden.
Die Frage nach der Ungerechtigkeit in der Welt ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Ich nahm mir eine Musik-Auszeit und begann, anhand meiner Fragen zu recherchieren und Bücherregale zu füllen. Dorothee Sölle, Jim Wallis und die Befreiungstheologen begeisterten mich. Am Ende stand ein kritischer Blick auf ökonomisch dominierte Systeme und Institutionen und die tiefe Überzeugung, dass Gottesbeziehung und soziale Gerechtigkeit zusammen gehören.
Die Geburt unserer Tochter dann bewegte mich tief, und ich begann, Ihre Augen in den Augen vergessener Kinder zu sehen. Mein darauf folgendes Soloalbum ist ein Konzptalbum, auf dem ich ganz bewußt Persönliches mit Gesellschaftlichem verbinde. Ich denke, soziale Anliegen brauchen ein Gesicht, Emotion, Herzschlag. Ich mag nicht diese sterilisierte pseudo-objektive Machtsprache. Aus der Mitarbeit bei Micha Deutschland ging das Album "Die Stimme erheben" hervor, dass Gerechtigkeitslieder aus aller Welt sammelt und teils neu oder erstmals ins Deutsche übersetzt. Aktuell arbeite ich parallel an zwei neuen Alben, eines für den säkularen, eines für den christlichen Bereich. Daneben liegen eine Zahl von Ideen und Projekten in der Warteschleife.

 

Wunderwerke und du – was passt da zusammen und wie kann man zukünftig mit dir zusammen arbeiten?

Was mich an Wunderwerke begeistet, ist der offene Blick über den Tellerrand hinaus. Wo kann Gemeinde aus frommen Sackgassen heraus? Aber eben gerade auch: Was kann der Glaube, was kann Kirche für den post-modernen Menschen sein, worauf vielleicht der Blick durch Klischees verstellt ist? Was haben wir "Kirchenleute" Tolles, vielleicht ohne es zu wissen? Und wie können wir das am Besten sichtbar machen? Ich möchte Gemeinden gerne auf dem Weg zu Relevanz und Authentizität unterstützen. Zum anderen habe ich ja viele Gemeinden unterschiedlicher Denomination kennengelernt, und überall brennende Herzen, leuchtende Augen, aber auch reichen Erfahrungsschatz oder ethische Geradlinigkeit gefunden. Das alles ist wertvoll, und sollte nicht gegeneinander ausgespielt, sondern viel mehr noch füreinender eingesetzt sein. Da sehe ich mich als Kreativ-Mittler zwischen "Fundis" und Liberalen, Evangelischer Frei- und Landeskirche und Katholischer Kirche. Wir können viel voneinander lernen. Das Miteinander durch Musik und kreative Sprache kann eine große Hilfe sein, Brücken zu bauen.

 

Bei Wunderwerke entwickeln und verwirklichen wir Ideen. Für die Kirche. Mit Jugendlichen. Zum Glauben. Wir haben Stunden an diesem Claim gesessen, uns ist jeder cm in diesem Satz wichtig. Würdest du dennoch etwas hervorheben?

Kinder und Jugendliche in unseren Kirchen liegen mir stark am Herzen, und ich wünsche mir, dass sie nicht fromm "ghettoisiert"  oder "gebrainwasht", sondern zu klugen und liebevollen Brückenbauern und Jesus-Nachfolgern werden. Die in Jesus einen festen Anker haben und sich nicht säkular zu unmündigen Trend-gesteuerten Wegwerfkonsumenten und Markt-gerechten Häppchen  für den Arbeitsmarkt reduzieren lassen. Ich möchte mit Ihnen auf Entdeckungsreise gehen, was Jesus ihnen heute zu sagen hat, zu den Heruasforderungen einer ökonomisierten Konsum-, Medien- und Institutionengesellschaft. Auch Zweifler, kritische Menschen und kirchenferne Menschen sind mir nah, weil ich das ja aus eigener Erfahrung nur zu gut kenne.

 

Was wünscht du Wunderwerke?

Angstfreie kreative Räume zu schaffen, in denen Menschen Gottes Plan für ein erfülltes Leben und eine bessere Welt begegnen können.

 

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