Hofgeismar, 31. Oktober 2019 – Die Kirche der Zukunft wird zwar selbstbewusst sein – aber eine Minderheiten-Kirche. Dieses Bild hat der Vizepräsident des EKD-Kirchenamts, Thies Gundlach, bei einer Tagung in Hofgeismar gezeichnet. Wie man mit einem Sofa und einer Abendandacht mit Absacker Kirchenferne für das Evangelium begeistert, erklärte Miriam Hoffmann vom Projekt „die beymeister“.

Die Kirche steht vor der Herausforderung, das Christentum in ganz unterschiedlichen Gesellschaftsschichten – heute "Milieus" genannt – zu verankern. So hieß es in der Einladung zum zweiten Treffen des Ökumenischen Netzwerks Mitgliederorientierung in Hofgeismar. Der Missionar Paulus, der das Evangelium vor 2.000 Jahren verkündete, soll als Vorbild für die Kirche heute dienen, lautete es weiter. Thies Gundlach, der Vizepräsident des Kirchenamts der EKD, stellte sich am Mittwoch im Rahmen der Veranstaltung der Frage „Wohin wächst der Glaube?“. Mit Blick auf die ökumenische Mitgliedervorausberechnung für Deutschland, die besagte, dass sich bis 2060 die Kirchenmitgliederzahlen halbiert haben werden, sprach er vom biblischen Bild der Wüstenwanderung des Volkes Israel, die 40 Jahre andauerte. Er fragte nach einer theologischen Botschaft des Kleinerwerdens: „Will uns Gott dadurch etwas sagen? Überhören wir ihn, weil wir selbst immer etwas sagen müssen?“ (...)

Während der Tagung stellten verschiedene Gründer und Kreative ihre Projekte rund um das Thema Mitgliederorientierung vor. Die gelernte Gemeindepädagogin Miriam Hoffmann startete vor fünf Jahren zusammen mit ihrem Kollegen, Pfarrer Sebastian Baer-Henney, das Projekt „die beymeister“ in Köln. Nach Vorbereitung im Gebet und der Anfrage an die Kirchgemeinde vor Ort, ob sie sich im Viertel einbringen könnten, kauften sich ein „milieusensibles Sofa“, setzten sich damit ins stark gentrifizierte Köln-Mülheim und kamen so auf ganz unkonventionelle Weise mit den Leuten vor Ort ins Gespräch. Das Motto lautet „Hingehen, wo die Menschen sind“. Sie hatten keine Flyer, Schilder und anfangs auch keinen Raum, in den sie einladen konnten. Das sieht Hoffmann als Stärke, weil sie so frei von einem System gewesen seien. Eine Haushaltsplanung im Voraus brauche es dafür nicht: „Aus diesem Mangel heraus besteht eine Abhängigkeit im Gebet.“

Eigentlich fand die Gründerin Milieukirchen „nicht sehr biblisch“, aber Jesus habe sich schließlich auch aufgemacht zu den Menschen. Die „beymeister“ bieten einmal in der Woche Homeoffice-Arbeitsplätze, Konzerte, Kleidertausch-Treffen, Abendandachten mit Absacker, ein Abendmahl am Morgen oder „Dreyerley. Sowas wie Gottesdienst“ an. Damit erreichen sie Kirchenferne und Ausgetretene. Das Projekt läuft im Rahmen des Fresh X-Netzwerks und arbeitet mit der Kirche vor Ort zusammen. Hoffmann warnt, dass die Sofa-Idee wie auch andere Ideen sich nicht eins zu eins kopieren lassen: „In Köln funktioniert immer alles, was absurd ist.“ In manche Städte oder Gebiete passten sie nicht hinein. Laut ihr gilt es, danach zu schauen, was die Menschen vor Ort brauchen – und das kann ganz unterschiedlich sein. (...)

 

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